Haus Nr 30

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Liebe Leidtragende!

Liebe Ledtragende! (bitte nach unten blättern - unter diesem Bild finden Sie die Trauerrede)

Oftmals in meinem Leben bin ich dazu bestimmt gewesen zu wiederholen was der liebe Gott schon vor mir getan hatte, nämlich Menschen abzufordern deren Lebenslauf zu Ende gegangen war. Niemals aber in meinem Leben bin ich so großem Leid gegenüber gestanden wie wir es alle heute hier erleben, sehen und fühlen müssen. Was hier geschehen ist und was euch liebe Hinterbliebene aufgetragen ist zu ertragen und zu leiden, reicht fast an die Grenze des Unmöglichen.  Alten Müttern ist zugemutet hinter den Särgen ihrer lieben Kinder mit gebrochenem Herzen gehn zu müssen oder weit sehr weit von hier in einem stillen Kämmerlein bittere Schmerzenstränen zu weinen. Kindern die zwar erwachsen aber dennoch in ihren Eltern ihre Stütze sahen, diese ganz unerwartet und plötzlich zu verlieren.
Auch erwachsene Kinder werden zu Waisen wenn sie die Eltern verlieren. Geschwister müssen es annehmen getrennt zu werden, die sich in Kindheit miteinander verbunden fühlten. Und uns andern allen die wir Nachbarn, Freunde und Bekannte waren bedrückt dieser Verlsut, das Bewustsein sie nicht mehr unter den Lebenden zu wissen, ihnen nie mehr im Leben zu begegnen, nie mehr etwas von ihnen zu hören.
All dies liebe leidtragenden Freunde lässt in unseren Herzen die Frage auftauchen: Warum musste dies sein? Warum musste uns solches Leid betreffen? Warum gerade uns? Wir waren doch dabei uns für ein Freudenfest zu rüsten. Wir haben mit Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft geblickt. Die Einen sagen: Es war Zufall. Andere wieder meinen: Es sollte so sein. Unser christlicher Glaube aber sagt uns, dass nichts Zufall ist, zudem das alles Gottes Wille ist, dass Gott aber unser Vater ist, der es gut mit uns meint, auch dann wenn er uns Leid uns Schmerz schickt. Vertraut auf ihn. Er wird die Wunden schon heilen die er euch geschlagen hat.
In Abschiedsstunden liebe Leidtragende ist man geneigt seinen Blick zurück zu richten zu vergangenen Zeiten und Tagen. In ein paar Jahren sind es drei Jahrzente seit der Hochzeit unserer lieben Verstrobenen. Damals sagtet ihr liebe alte Mutter zu unserer aus dem entfernten Zendersch stammenden Schwiegertochter die infolge dieses Umstandes so ziemlich allein da stand und nur so mehr auf euch und auf eure Freundschaft bauen musste. Ich will dir nicht eine Schwiegertochter sondern eine Mutter sein. Hiermit hattet ihr von Anfang an das Verhältnis zu einander bestimmt, das Verhältnis von Mutter und Tochter. Ich verstehe den Schmerz um so mehr der euch quält da ihr nicht nur den Sohn sondern auch die Tochter verloren habt. Als eure Kinder von einigen Jahren ihre alte Heimat mit einer neuen getauscht hatten, hattet ihr immer wieder die Freude auf sie nicht nur zu warten sondern sie auch immerwieder zu sehen und empfangen zu dürfen. Sie hatten sich eine neue Heimat gesucht, für sich und ihre Kinder. Doch wie ganz anders sind Gottes Wege der sie zu sich in die ewige Heimat geführt hat. Gemeinsam haben sie den Weg in dieses Leben angetreten, gemeinsam sind sie ihn gegangen und gemeinsam nun beendet. Wie sie einst vor vielen Jahren vor dem Traualtare standen, ihren gemeinsamen Weg antraten, er zur Rechten sie zur Linken, so liegen sie hier vor uns und sind diesen Weg zu Ende gegangen.
Ja der Weg durchs Leben -.
Auch mir lieber Freund der du meine Stimme nicht mehr hörst sind einen Teil unseres Lebensweges zusammen gegangen. Angefangen hatte es schon im Kindergarten und in der Schule und fortgesetzt haben wir ihn im Kriege, mehr aber in der Gefangenschaft.
Du bist durch die Kugeln gegangen ohne eine ernsthafte Verwundung zu erhalten um hier daheim an einem tragischen Unfall zu sterben. Doch nichts ist Zufall alles ist Gottes Wille-.
Es folgte die Gefangenschaft, der Hungermarsch wo wir jedes Stückchen Brot miteinander teilten. Tag für Tag - 19 Monate ertrugen wir das Los der Gefangenschaft bis wir dann den Schritt in die Freiheit wagten. Noch immer fließt die Donau ihren Lauf die uns in dunkler Nacht heimwärts führte, unafhörlich. Ihrem Wasser gleich sind auch unsere Jahre verflossen und die Stunde des Abschieds schlug.
Und weil es die Abschiedsstunde ist und sie sich nicht hinaus zögern lässt rufe ich euch lieber Freund und liebe Freundin zu: Habt Dank, habt vielen Dank für alles was für uns gut und schön war und ihr euren Beitrag dazu geleistet habt. Ruhet wohl in eurer Heimaterde zu der ihr zurückgekehrt seit. In ihrem Schosse seid ihr wohl geborgen.
Euch aber liebe Hinterbliebenen bitte ich sie uns folgen zu lassen.

Johann Barthmes Nr. 74