Sofia Wolba

 

Der Kampf ist heiß, die Last ist schwer,
Oft seufzt du müde: Ich kann nicht mehr!
Doch halte nur aus, einst wird dir klar,
Wie nötig hier unten dein Kreuz dir war.
 
Auf hartem Stein am Waldesrand,
Sitzt müde ein Greis, mit dem Stab in der Hand.
Er kann nicht mehr weiter, er ist zu matt,
Weil er so viel Schweres zu tragen hat.
 
Still schaut im Geiste den Weg, den er kam,
Er fing einst so herrlich mit Sonnenschein an.
Noch denkt er in stiller Wehmut zurück,
Doch es liegt in Trümmer was einst war sein Glück.
 
Nichts ist im geblieben, so arm und allein,
Muß er bis ins hohe Alter nun sein.
Da krampft sich sein Herz zusammen vor Weh:
Mein Gott! warum muß diesen Weg ich gehen?
 
Und über dem Denken und über dem Sinnen,
Ihm heiß von der Wange die Tränen rinnen.
Doch nach und nach wird es still in der Brust,
Er ist sich der Gottes Kindschaft bewußt.
 
Drum schaut er im Glauben hinauf in die Höh,
Dort wird sich einst klären was ich nicht versteh.
Drum nimmt er den Stab und mit leisem Gesang,
Geht er Heim zu der Hütte am Bergeshang.
 
Legt müde vom wandern zu Ruh sich hin,
Noch geht ihm so manches durch den Sinn.
Auf all seine Sorgen und was er gefragt,
Im Traume Gott selbst ihm die Antwort gab.
 
Er sieht sich als Pilger von Land zu Land,
Recht müde wandern im Pilgergewand.
Das Ziel seiner Wanderung ist jene Stadt,
Die Gott der Herr selbst gegründet hat.
 
Und auf dem Rücken ein Kreuz er trägt,
Das ist die Last, die Gott im auferlegt.
Er wandert mutig, sein Ziel winkt von fern,
Schon glänzt die Stadt wie ein goldener Stern.
 
Doch heiß brennt die Sonne, das Kreuz es drückt sehr,
Er muß einmal ruhen, er kann nicht mehr.
Da steht ja ein Häuschen so schmuck und so fein
Da nimmt er´s Kreuz ab, wie ruht es sich hier fein.
 
Und als er nun weiter des Weges will gehen,
Sieht eine Säge er daneben stehen.
Da denkt er - dein Kreuz ist zu lang und zu schwer,
Du sägst etwas ab, dann drückt´s dich nicht mehr.
 
Schnell ist es getan. Nun war leichter die Last,
Er denkt: Wie gut, dass du es abgesägt hast.
Nun ist das Wandern bequemer und leicht,
Jetzt ist das Ziel viel schneller erreicht.
 
Ein Graben trennt ihn noch von der Stadt,
Der aber keine Brücke hat.
Er läuft entlang, er sucht und sinnt,
Doch eine Brücke, er nirgends find.
 
Da fällt ihm das Kreuz auf dem Rücken ein,
Vielleicht könnte das ihm jetzt Brücke sein.
Er nimmt´s und schibt´s übern Graben her,
Doch es ist zu kurz, es langt nicht mehr.
 
 Es fehlt das Stück das er abgesägt-
„Ach hätt ich es doch nicht“, säufst er tief bewegt.
„Nun stehe ich hier so nahe am Ziel,
Und kann doch nicht hin, weil mir das Kreuz nicht gefiel.“
 
Er weint und schreit und klagt sich an,
Weil er Schuld, dass er zur Stadt nicht kann.
Da naht ein Pilger, der auch ein Kreuz trägt,
Von dem aber nichts abgesägt.
 
Der kommt und schiebt übern Graben hin,
Und geht zur Stadt mit frohem Sinn.
Da denkt unser Pilger ich will doch mal sehn,
Ob über dies Kreuz ich zur Stadt kann gehen.
 
Er tritt hinzu, o weh es kracht,
Mit ein Mal ist er aufgewacht.
Er sieht sich im Zimmer, er ist noch hier,
Mein Gott! ach von Herzen danke ich dir.
 
Es war nur ein Traum - doch die Angst und die Qual,
Möchte ich nicht durchkosten noch einmal,
Ich seh’ nun mein Kreuz an, als göttliche Gab.
Und säg von demselben nicht mehr ab.
 
So muß es sein, wie der Vater es macht,
Und geht auch mein Weg durch Trübsal und Nacht.
Ich harre still aus, trag´s Kreuz und Leid,
Es ist mir ja Brücke zur Herrlichkeit.
 
Und Du, der Du auch ein Kreuz trägst,
Und auch gern ein Stück davon absägst,
Tu es nicht, denn es ist eine göttliche Gab,
Sägst Du - so sägst du den Segen ab.

 

 Verfasser unbekannt.